Ein Großteil dieses Landes besteht im wahrsten Sinne des Wortes immer noch aus Dichtern und Denkern und nicht aus Machern. Alles, aber wirklich auch alles wird hier komplett zu Tode gedacht. Es muss alles im feinsten und im Detail ausgearbeit, geplant und begründet werden. Alles muss wasserdicht sein. Jeder muss abgeholt werden.
Und dann, wenn der erste Spatenstich gemacht oder die erste Markierung auf der Straße gesetzt wurde, geht die riesengroße Diskussion los über Sinnhaftigkeit (sofern sie zuvor überhaupt beendet wurde).
Wir schaffen es nicht in diesem Land, uns ein großes Ziel zu stecken und dann uns auf dem Schmetterlingsweg dahin zu begeben.
Keine Ahnung, wie wir in den nächsten Jahren die Auswirkungen des Klimawandels beispielsweise mit dieser lethargischen Politiksform bewältigen wollen. Die Städte heizen sich auf und die Abwasserkanäle sind nicht auf die uns bevorstehenden Regenmassen ausgelegt. Jetzt, jetzt müsste man beginnen, Parkplätze abzuschaffen und die Flächen zu entsiegeln. Stück für Stück. Stattdessen schlägt man sich die Köpfe ein über etwas Farbe auf dem Boden.
Ich komme immer mehr zu dem Schluss, dass unsere jetzige Staatsform der repräsentativen Demokratie dringend einer Reform bedarf, was nicht bedeuten soll, dass ich sie ablehne. Nur muss sie wesentlich agiler werden, als sie jetzt gerade ist. Dazu gehört allen voran, schnelle Entscheidungen über kleinere Themen zu machen, diese umzusetzen, aber dann auch sofort zu evaluieren, ob die Umsetzung und deren Entscheidung zuvor richtig war oder nicht.