Zeitpunkt der Thematisierung von Sexualität seitens der Schule und Familie
Wie alt beziehungsweise in welcher Klasse wart ihr als Sexualität seitens der Schule thematisiert wurde?
Habt ihr euch davor, parallel dazu oder danach in eurer Familie ausgetauscht? Mit wem? Von wem ging dabei die Initiative aus?
16 replies
In Hessen damals™ in der Grundschule, so zweite Klasse würde ich schätzen, ging es um den technischen Teil, also was ist Sex, welche Körperteile sind bei der Fortpflanzung involviert, wie entsteht ein Baby, wie kommt es auf die Welt.
In der weiterführenden Schule, so 6. Klasse give or take, war dann der "Praxisbezug", also Verhütungsmethoden, Geschlechtskrankheiten etc.
Meine Eltern haben uns aber immer alles erklärt, wenn wir gefragt haben. Also, nicht nur technisch-inhaltlich, sondern auch emotional. Ich kann mich noch erinnern, dass es in der Grundschule eine Zeit gab, in der "bumsen und küssen" halt wie der Pipi-Kaka-Humor im Kindergarten ein Thema war, und meine Mama das immer begleitet hat mit sowas wie "miteinander schlafen ist was Schönes, sich zu küssen ist was Schönes" etc. pp.
Bei meinen Kindern handhabe ich das jetzt ganz ähnlich. Die Große (5 Jahre) hat ja schon ganz bewusst mitgeschnitten, dass sie einen Bruder bekommen hat. Da hat sie natürlich viel gefragt und bekommt auch immer Antwort. Wir hatten da dann auch Bücher zu dem Thema und die liest/schaut der Bruder nun auch ganz interessiert.
Ich finde, es gibt da deutlich schwierigere Themen. Ich finde es bspw. unangenehmer zu erklären, warum da Menschen bei Regen und Schnee auf der Straße sitzen und hoffen, dass wir ihnen Geld geben. Sogar metaphorisch. Ich erkläre lieber dreimal ein Kondom oder ein Sexspielzeug als jeden November St. Martin. Oder Stolpersteine, wobei dazu gab es eine gute Sendung mit der Maus Folge.
Die Maus rettet einem so oft den Hintern, wenn es um "Dinge kindgerecht erklären" geht, absoluter MVP.
In meiner Schulzeit wurde das zum 1.mal in der 6.Kl. thematisiert. Gruselig - nur für die Fortpflanzung... 1988 (DDR später Sachsen-Anhalt).
(8.Kl 1990) kamen ein paar schwule Männer in unsere Klasse, um uns darüber aufzuklären, dass es auch solche gibt. In der 10.Klasse wurde uns ein komischer Film über eine schwangere 16-jährige gezeigt, die einfach von ihren Eltern auf die Straße gesetzt wurde. In der Oberstufe hatten wir mal ein Arbeitsblatt mit zahlreichen Stellungen - auch gleichgeschlechtliche - und ihre potentielle Gefährlichkeit für AIDS.
Bei unseren Kindern war es immer mal Thema, wenn sie Fragen hatten. Und ja, jetzt kommen zwei kleine Annektoden über Kondome
Als mein Sohn klein war, kam er im Supermarkt, mit einer bunten Packung mit Kondomen und fragte sehr laut, was das sei. Meine knappe Antwort (das sind Kondome) hatte zwei Effekte. Unser Umfeld wurde ruhig und aufmerksam und nein Sohn fragte, wofür die seien. Als unsere Tochter 13 war, holten mein Mann und ich sie am Abend von ihrem Freund ab. Auf dem Weg zum Auto, sie so: ich muss euch was sagen. Wir haben kein Kondom benutzt. Zack, blieben wir beide wie erstarrt stehen. Unsere kleine süße Tochter .... Sie ging beherzt weiter, drehte sich um zu uns und meinte ganz trocken: aber das braucht man ja nicht zum Nintendo spielen
Deine Tochter hat einen guten Humor 😂
Sobald ich bewusst anatomische Unterschiede festgedtellt und dansch gefrsgt hatte, wurden meine Fragen offen von meinem Eltern beantwortet. Erinnern kann ich mich an Gespräche in der Zeit kurz vor der ersten Klasse. Es ging um die anatomischen Unterschiede und den Zweck. Partnerschaft und Verhütung waren später nochmals Thema mit meinen Eltern. Allerdings immer bezogen auf Anlässe, die meine Eltern meinten zu sehen.
In der Schule war es erst in der 5.Klasse im Unterricht Thema.Hier wurde aif Anatomie, Uweck jedoch auch auf Verhütung eingegangen.
Soweit ich weiß steht es in Bayern nun beginnend in der Jahrgangsstufe 1 und 2. Setzt sich in der 5., 8. Und 9. Klasse fort.
Mhm... Ich kann mich garnicht daran erinnern das Sexualkunde je meiner Schule behandelt wurde. Auch hatte ich nie das Gespräch mit meinen Eltern.
Irgendwann Ende Grundschule und dann Richtung 5, 6. Klasse nochmal, jeweils kurz. Und ich glaub im Kindergarten gabs ein Buch darüber dass Kinder entstehen weil mama und papa sich lieb haben und dabei nackt sind. (So in meiner Erinnerung).
In der Familie wurde ich gefragt, ob wer Kondome für mich kaufen soll als ich das erste Mal eine Beziehung hatte von der meine Eltern was wussten. Es gab auch das Angebot weitergehend über das Thema zu reden, bin ich aber nicht drauf eingegangen.
Nachtrag: Einschulung 2003 glaube ich, Niedersachsen.
Wir hatten daheim das Buch "Wo komm ich eigentlich her?" von Dr. Thaddhäus Troll.
In der Grundschule (BaWü) wurde das Thema dann in der 3. oder 4. Klasse thematisiert. Die Jungs und die Mädchen haben unterschiedliche Zettel bekommen, bei den Mädchen wurde die erste Periode erklärt und bei den Jungen der erste Samenerguss. Wir durften nicht mit der anderen Gruppe darüber reden.
In der weiterführenden Schule wurde das Thema in der Mittelstufe im Religionsunterricht wieder aufgegriffen und die Lehrerin hat es richtig gut gemacht und ausführlich über verschiedene Verhütungsmethoden aufgeklärt, aber auch über Dinge wie was man sich vom Partner wünscht etc. Ich habe mich dort ernst genommen gefühlt. An Aufklärung im Biologieunterricht kann ich mich irgendwie nicht erinnern.
Beschde!
Meine Eltern hatten damals den Bildband "Ein Kind entsteht". Und ich erinnere mich, dass ich mir das als Grundschüler mit einer Mischung aus Faszination und Ekel angesehen habe. Embryo s/Föten sind nämlich gar nicht mal so niedlich.
Es hat definitiv etwas alienhaftes.
Wobei ich auch immer an meinem Geschichtslehrer denken muss. Der hatte erfahren, dass er Vater wird und hat daraufhin allen seinen Schülerinnen und Schülern erklärt, dass sein Kind gerade 1:1 aussieht wie eine Limabohne. Selbstverständlich gab's auch ein Schaubild an der Tafel dazu.
Hessen Einschulung Mitte der Nuller: Das erste Mal Sexualkunde hatte ich in der vierten Klasse. Dann war jeweils nochmal tiefergehend in der 6.?, 8. und 10.?. (Gymnasium).
Es gab in der Familie etwas Austausch zum Thema, aber nicht sehr viel.
Hehe, tiefergehend!
Soweit ich mich erinnere stand es einmal in der Grundschule auf dem Lehrplan und zweimal in der weiterführenden Schule im Bio-Unterricht. In unterschiedlichen Detailgraden.
Aber wenn man kleine Geschwister hat, oder andere Leute Nachwuchs bekommen, taucht ggf schon vorher die Frage auf wo denn so Babys überhaupt herkommen. Was das ist wenn ein Baby gestillt wird... Warum Tante XY jetzt einen neuen Partner hat... Ggf lernt man in jungem Alter ob es okay ist nackt in der Wohnung herumzurennen, ob man dasselbe draußen auf der Straße macht. Ob es okay ist fremde Leute anzufassen... Wer mit dem rosa Spielzeug spielen soll und wer mit dem blauen. Also das ist jetzt nicht unbedingt direkt komplett Sexualität. Aber ich glaube so manche Eckdaten und Konzepte wie menschlicher Körper, Geschlechteridentität, ... lernt man auch schon recht früh?!
Schreibt wenn ihr mögt gerne auch dazu, ob sich euer Beitrag auf Deutschland, vielleicht sogar ein bestimmtes Bundesland, bezieht oder nicht. Das könnte (zumindest für mich) noch etwas mehr Erkenntnis zu Tage fördern.