Pfaffenhofen an der Ilm: Wie ein halbes Brot eine Bäckerei aus Bayern 15.000 Euro kostete
In Pfaffenhofen an der Ilm fühlte sich ein Kunde um zehn Gramm Brot betrogen – und schaltete daraufhin die Behörden ein. Für den Bäckermeister hatte die kleine Ungenauigkeit teure Folgen.
Habe erst überlegt ob ich die Überschrift gemäß der neuen Regelung anpassen sollte, habe mich dann aber dagegen entschieden, da die Antwort zu komplex für den Titel ist und dieser der Geschichte eigentlich gerecht wird, obwohl er etwas nach Clickbait klingt.
https://www.spiegel.de/panorama/pfaffenhofen-an-der-ilm-wie-ein-halbes-brot-eine-baeckerei-aus-bayern-15-000-euro-kostete-a-55ebda9e-8327-4820-a07c-08f2bf934f7c?sara_ref=re-so-app-shOpen linkView original on feddit.org
28 replies
Bin nicht so im Thema. Muss der Bäcker denn ganze Brote ebenfalls wiegen? Ist mir noch nie bewusst aufgefallen. Glaube meist steht nicht mal ein Soll-Gewicht an der Ware. Und wenn ganze Laibe nur Pi*Daumen wiegen, ist mir schleierhaft wieso sich die Regelung beim Schneiden plötzlich ändert.
Davon abgesehen sind 10 Gramm wirklich wenig Toleranz. Die können auch einfach zwischendurch weggetrocknet sein.
Alpha-Allmann
Schönes Beispiel von "kleiner Unternehmer möchte den Sinn einer Regulierung absichtlich nicht verstehen". Ja, das klingt jetzt erstmal etwas blöd und kleinkariert, aber: Zum einen gilt die angesprochene Fertigverpackungsverordnung schon seit 1981 und wenn man dann im Jahr 2026 erwischt wird, dass man seit 45 Jahren ein Gesetz ignoriert, dann sollte man nicht rumstänkern. Und es macht auch absolut Sinn, dass feinsäuberlich bis ins Detail bestimmt und reguliert wird, wie Unternehmen Dinge in ihre Verpackungen füllen dürfen, weil wir alle genau wissen, dass Kelloggs sonst absichtlich zu wenig Smacks in die Packung füllen würde.
Dieser kleine Bäcker von nebenan beschäftigte 2021 66 Mitarbeiter. Das ist eine Kette in mehreren Städten. Bei solcher Größe kann man schon erwarten, dass verkaufte Ware abgewogen wird. Die Waagen sind sicherlich auch an das Abrechnungssystem angeschlossen und keine normalen Küchenwaagen.
Alle sind dumm, sowohl der Bäcker der die Brote nicht abwiegt und dann "Waagen" für 15000€ kauft, als auch der Typ der wegen 10g zur Behörde rennt. So Gesetze und Regulierungen sind dafür da, weil Konzerne uns sonst Sägespähne ins Mehl mischen würden oder ähnliches um Kosten zu sparen, nicht um den Bäcker nebenan mit Vorschriften zu nerven.
Der Bäcker nebenan würde genauso Sägespahne ins Mehl kippen wie die großen Konzerne. Solche Regeln schützen uns vor allen Produzenten.
Okay fair. Aber bei Konzernen seh ich nochmal mehr Potential.
Sehe ich auch. Große Konzerne haben sicherlich mehr Möglichkeiten das Produkt zu "verbessern". Kleine Betriebe haben dafür die Nase bei einfacherem Betrug vorn, kreativer Einkauf/Verkauf/Buchhaltung beispielsweise.
Mir ist das ganze auch etwas schleierhaft, da doch halbe Brote beim Bäcker meiner Erfahrung nach immer abgewogen werden.
Ich hab das hingegen noch nie erlebt. Beim Bäcker meines Vertrauens steht auch nirgends, wie schwer so ein Brot sein soll, von daher könnte ich mich auch nicht über eine zu leichte Hälfte beschweren.
Da würde ich mal genauer hinschauen. Die Brote liegen doch normalerweise hinten in der Auslage, mit kleinen Schildchen wie "Kuhdorfer Bauernbrot 4,90 / 750g". Alles andere wäre schon eine riesige Ausnahme nur für Bäckereien.
Klingt doch völlig vernünftig und macht jede Wurst- und Käsetheke auch nicht anders. Sehe das Problem nicht.
10g von 250g oder 500g ist eine ziemlich kleine Abweichung, finde ich. Zumal der nächste Kunde dann ja 10g mehr bekommt. Deswegen für 15000€ Waagen beschaffen zu müssen, ist ein bisschen albern.
Wo ist denn die Grenze? 10g sind ok, der nächste Bäcker hält auch 50g für ok. Und beim Arschlochbäcker im Dorf sind komischerweise alle Hälften zu leicht, kann ihm aber niemand nachweisen, weil er sich immer mit „hast halt heute Pech gehabt“ rausredet.
15.000€ sind ja auch nicht für eine Waage, sondern für alle Filialen der Bäckereikette mit knapp 1 Mio € Jahresumsatz. Von einem Unternehmen der Größe kann man schon verlangen, dass sie genau abrechnen was über die Ladentheke geht.
Bei jedem Metzger ist es vollkommen normal, dass Kunden nur das bezahlen was sie bekommen.
Es ist eine kleine Abweichung, ja. Aber warum macht der Bäcker das Brot nicht etwas schwerer, um Spielraum zu haben? Also, dass beispielsweise der 1kg-Laib 1,05kg wiegt.
Ganz einfach: weil der dann mehr für Zutaten ausgeben muss. Und deswegen wird lieber am Limit kalkuliert, keine seit 6 Jahren vorgeschriebene geeichte Waage angeschafft usw.
Weiß nicht, so als Laie denke ich mir, dass jeder Bäcker eine geeichte Waage braucht. Ebenso wie ein Gemüsehändler. Bei allen Bäckern die ich kenne werden halbe Brote auch abgewogen.
Solche Leute sind der Grund warum wir keine schönen Dinge haben dürfen ...
Schöne Dinge wie 10g schwerere Brothälften?
Klingt absurd, aber ist vermutlich vernünftig. In der selben Stadt könnten sie ja den selben Kunden haben.
Oder paar kleinere Laibe backen und diese anbieten?
Perfekte Idee! Klingt fast nach einem loophole…
Ok, pedantischer Spinner. Aber 15.000€ für Waagen?
Der Kerl hat halt 6 Filialen, d.h. die geeichte Profiwaage kostet pro Stück dann 2500€.
Was immer noch zu teuer ist fuer eine Baeckerei. Ich arbeite im Labor mit geeichten Waagen von Kern. Eine simple Lebensmittelwaage von Kern (1g bei 6000g Maximalgewicht) kostet geeicht ca. 350€.
https://www.kern-sohn.com/shop/de/produkte/industriewaagen/food/ffn-6k1ipn/
Aber man kann natuerlich beliebig viel Geld fuer alles moegliche ausgeben.
Weil, wenn der Bäcker gesagt hätte "ich musste jetzt 2.500€ für Waagen ausgeben 😭" niemand einen Artikel geschrieben hätte.
Vielleicht hat der auch ein paar Filialen mehr und ist eigentlich eine Kette und nicht einfach nur der kleine Bäcker von nebenan.
ich frage mich: Wie viele Filialen hatte der pedantische Kunde? War er von der Konkurrenz?
Vielleicht sind es auch mehrere pro Filiale geworden, wenn sie mehrere Verkäufer gleichzeitig haben? Kosten für das Eichen kommen eventuell auch noch hinzu und das regelmäßig. Vielleicht ist das auch beim Preis inkludiert?