Das "Heusenstammer Modell" könnte den Radverkehr revolutionieren, wäre da nicht die Straßenverkehrsordnung
Ich finde es schade das man erst mal wieder weiter testen will, obwohl es schon in anderen Ländern funktioniert. Ich hoffe das die Bundesländer ihre Blockade aufheben.
https://www.hessenschau.de/panorama/heusenstammer-modell-soll-radverkehr-revolutionieren-probleme-macht-nur--v1,heusenstammer-modell-100.htmlOpen linkView original on feddit.org
tldr:
Bei Gegenverkehr Radfahrer knapp überholen und in den Graben drängen. Hab's kapiert/s
Puh, weiß nicht, wie ich das finde. Bei uns haben wir Fahrradstraßen, die im Wesentlichen genauso funktionieren (Rad- und Autofahrer fahren in beide Richtungen, Autos kommen mittig an Radfahrern vorbei, formal Tempo 30). Der Unterschied ist dann, dass keine Schutzstreifen aufgemalt sind und zwei Radfahrer nebeneinander fahren dürfen. Es funktioniert so mittelgut. Einerseits toll, dass es dadurch mehr Fahrradstraßen gibt. Andererseits fahren viele Autofahrer hier überhaupt nicht defensiv und aufgrund der geteilten Räume bleibt man als Radfahrer häufig hinter Autos stecken, die wiederum hinter langsamer fahrenden Radfahren herfahren (und die man ohne das Auto einfach hätte überholen können).
Als ich das gelesen habe, bin ich erstmal stutzig geworden, weil ich aus Beobachtung und persönlicher Erfahrung zu dem Schluss kommen muss, dass Radschutzstreifen, bzw. eine gemeinsame Fahrbahnnutzung durch Fahrräder und Kraftfahrzeuge das Gegenteil von Sicherheit für Radfahrende bedeutet. Zu oft hab ich erlebt und gesehen, wie Überholabstände nicht eingehalten, Radfahrende beschimpft, geschnitten, abgedrängt oder beim Abbiegen übersehen/vergessen werden.
Deswegen bin ich von folgendem ehrlich überrascht:
Allerdings geht es hier um eine Ortschaft mit 19k Einwohner*innen, und der größte Teil meiner Erfahrung bezieht sich auf eine Großstadt mit typischem Chaos. Berufsverkehr, Baustellen, Straßenbahnen, bekloppte Kreuzungen usw. Den Punkt, dass es in Schweden und den Niederlanden funktioniert, kann ich auch nur halb akzeptieren, weil dort, insbesondere in den Niederlanden, ohnehin eine völlig andere Fahrradkultur herrscht.
Ich wäre daher auch dafür, erst einmal weiter zu testen, allerdings nicht in der beschaulichen 19k-Gemeinde, sondern in Berlin, Bremen, München, Köln, Stuttgart, Essen oder so.
Aber was wir davon halten ist egal, im Kanzleramt, dem Verkehrsministerium und den Landesregierungen sitzen Leute, die sich einen Dreck für Verbesserungen interessieren und der Autolobby den Arsch hinhalten.
Meine Vermutung wäre, dass durch den Wegfall von einer Fahrbahn, die Autofahrer die Straße als enger wahrnehmen und deshalb vorsichtiger und rücksichtsvoller fahren. Andererseits könnten die Autofahren aber die Straße auch nur umfahren. Komme nicht aus Heusentamm und kenne deswegen die Gegebenheiten dort nicht, bin aber gespannt auf den Abschlussbericht des Versuchs.
Im Detail stecken aber doch Fehler, oder? Da heißt es:
Das kann nicht stimmen, die StVO sagt meines Wissens nichts zu Straßen und schon gar nicht zu Fahrbahnbreiten oder Schutzstreifen.
Auch das ist dann ja unlogisch: wenn es um die StVO ginge, wäre der Bundesrat raus, das ist allein Sache des Verkehrsministeriums - das ist ja gerade der Witz an Verordnungen, das ich kein Gesetzgebungsverfahren brauche...
Steht auch nicht in der StVO oder VwV-StVO, sondern in den Empfehlungen für Radverkehrsanlagen (ERA).
... auf die in der VwV-StVO verwiesen wird.
Das kann nicht stimmen, die StVO sagt meines Wissens nichts zu Straßen und schon gar nicht zu Fahrbahnbreiten oder Schutzstreifen.
Das ist richtig. Das ist in den Empfehlungen für Radverkehrsanlagen (ERA) der Forschungsgesellschaft für Straßen- und Verkehrswesen (FGSV) in Köln festgelegt (frei zugängliche Präsentation, da Paywall), auf die in den Verwaltungsvorschriften zur StVO verwiesen wird.
Mit den Verordnungen wird aber in Aufgabenbereiche der Länder eingegriffen, bzw. der Straßenverkehr ist eine Gemeinschaftsaufgabe und deshalb sind sie Zustimmungspflichtig.
https://www.adfc.de/neuigkeit/stvo-novelle-im-bundesrat-verabschiedet
https://zukunftsnetz-mobilitaet.nrw.de/aktuelles/news/vwv-stvo-beschluss-im-bundesrat
Tja, da hat wohl die Autolobby Wind von der ganzen Sache gekriegt. Vielleicht hat er bei der nächsten Regierung mehr Glück. Bin mir nicht sicher wie die AFD zu solchen Dingen steht.
Außerorts klingt sehr...gewagt. Da würde ich mich als Radfahrer nicht hintrauen. Wenn die Autofahrer mit 70+ da durchfahren und auf meinen Fahrradstreifen ausweichen wenn jemand in ihrer einen Spur entgegenkommt...
Nicht sicher? Die Partei all derer, die beim bloßen Gedanken an den Rückbau von Parkplätzen in Schnappatmung verfällt?
Aus der pauschalen Aussage "außerorts" geht nicht hervor, welche Geschwindigkeit dort zulässig ist. Das kann genauso gut 30 oder 50 km/h sein.
Wie viele Stellen außerhalb von Ortschaften kennst du an denen nicht mindestens 70 gefahren wird, von gefährlichen Einmündungen mal abgesehen? Ich glaube 70+ ist eine angebrachte Assoziation, die man mit dem Wort verbinden kann. Wenn die Autoren des Artikels nicht wollen, dass ich dieses Bild im Kopf habe dann müssen sie sich anders ausdrücken.
Ich bin, auch aus eigener Erfahrung (allerdings in einer Großstadt), kein besonderer Freund von Radschutzstreifen. Ich beobachte eher, dass zum einen doch eine nicht unwesentliche Zahl der Autos ohne Grund auf den Schutzstreifen fährt. Zum anderen halten überdurchschnittlich viele hier den Mindestabstand beim Überholen nicht ein (vermutlich, weil ihnen der Unterschied Schutzstreifen/Radweg nicht bekannt ist). Allerdings sind die Schutzstreifen hier auch nicht rot gefärbt, das macht evtl. einen Unterschied.
Ich kenne das mit den aufgemalten Fahrradstreifen nur so, dass sie von den Autos ganz nach Belieben benutzt werden. Nur wenn die Straße wirklich leer ist, fährt das Auto daneben und nicht drauf.
Und dieses Ausweichen geht relativ schnell (weil Gegenverkehr) und dabei würde ein evtl. Radfahrer eiskalt zur Seite abgedrängt.
Diese Situation verstehe ich nicht. Wie stellt man sich das genau vor?
Ich denke, dass das Auto beim Überholvorgang in den Schutzstreifens des Gegenverkehr fährt, um so genug Platz zum Radfahrer hat
Zweifel ich dran, die meisten würden im mittleren Streifen bleiben beim Überholen. Wäre auch in Ordnung, wenn die Schutzstreifen breit genug wären um genug Abstand beim Überholen zu gewährleisten, sind sie aber vermutlich nicht. Im schlimmsten Fall wird dann mit weniger Abstand überholt als wenn da kein Schutzstreifen wäre.
Ihr streitet darüber, wie die Umsetzung in der Realität aussieht, weil exakt da der Knackpunkt liegt. Die Maßnahme dort funktioniert, weil sie zu Testzwecken vernünftig überwacht wird. Die selbe Maßnahme wird nicht funktionieren, wenn es keine Überwachung gibt (oder Ordnungsamt und Polizei demonstrativ daneben stehen und Raserei und Gefährdung abnicken - keine Ahnung, wie ich gerade darauf komme... war wohl eine Eingebung auf Grund der hiesigen neuen "Fahrradstraße").
Deshalb gibt es auch in Deutschland ständig langwierige Projekte zum Test von Dingen, die in anderen Ländern schon lange problemlos funktionieren. Die Prüfen halt meist das falsche, denn es reicht nicht zu wissen, ob eine Maßnahme funktioniert. Es gibt hierzulande nämlich oft immer noch den zusätzlichen "Wir ignorieren einfach Regulierung/Verordnung/Gesetz, denn Autos sind heilig"-Faktor.
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