Kultursamstag 2026 KW39
Hallo zusammen,
Da es über die Monate immer mal wieder Nachfragen gab: die Liste sind nur Beispiele. Solange es jetzt keine Nachrichten sind und ihr der Meinung seid, es könnte andere Menschen interessieren, dann stellt es uns anderen Nutzern vor, erzählt was euch daran gefällt und warum ihr es mit uns teilt. Blogpost, Sachbuch, egal. Nur Memes und Nachrichten würde ich ausnehmen, da daraus schon der große Rest des Fediverses besteht.
Was habt ihr in der letzten Woche so an tollen Büchern gelesen, Filme geguckt, Spiele gezockt, Musik entdeckt, Museen oder Veranstaltungen besucht, … ?
4 replies
Triggerwarnung: (Kinds)Tot, Krieg
Ich habe das nächste Level des Älterwerdens freigeschaltet:
War gestern auf dem Hauptfriedhof in Frankfurt. Meine Eltern und Großeltern fanden es immer voll schön da spazieren zu gehen, aber ich dachte mir immer "weird flex, zwischen Leichen zu spazieren, but OK".
Ich wollte eigentlich nur zum Grab meiner Mama, aber dann musste ich auf's Klo und war auf einem Quest über den Friedhof. Boah, ist das "schön" da spazieren zu gehen 😅. Man trifft niemanden, es ist super ruhig, super grün. Nur Vögelchen und Eichhörnchen als Begleiter. Aber immer was zu gucken: Ehrengräber von Berühmtheiten, ungepflegte Gräber von jüngst Verstorbenen, wiederum gepflegte Gräber von Leuten, die schon gefühlt ewig tot sind. Wenn man sich die Grabplatten so anschaut, entstehen im Kopf direkt Geschichten.
Krass mitgenommen hat mich ein Gemeinschaftsgrab für totgeborene Kinder. Sauviel Babyspielzeug, Hippgläschen, Windspiele etc. Daneben, ganz förmlich, ein Schild "Dieses Gemeinschaftsgrab ist voll, wir haben dortunddort ein Neues eröffnet".
Aber am krassesten natürlich die Kriegsgräber aus 1. und 2. WK. Sooooo viele Grabplatten mit Frau, Kind1, Kind2 ff. aus den Bombenangriffen.
Eins war ein 2-Wochen altes Baby mitsamt Mutter, gestorben bei einem Luftangriff Anfang März 1945. Keine zwei Wochen später war Frankfurt schon eingenommen, der Krieg war de facto schon vorbei, aber irgendwo mussten die Bomben ja noch hin, wäre ja schade drum. Auch krass, wie bei den ersten Angriffen das noch voll geordnet war, alle Opfer identifiziert etc. Ab Herbst 1944 dann immer öfter "unbekannt", bei den Gräbern von 1945 hat es dann offenbar kaum mehr interessiert. Und halt direkt daneben dann die unzähligen Reihen aus dem 1. WK. Fragt man sich, ob damals niemand über den Friedhof spaziert ist, sich das anzuschauen?!
Ja, anyway, viele Gedanken, viele Emotionen, die ich halt jetzt mit eigener Familie und eigener Trauererfahrung eben ganz anders einordne, als vor 20 Jahren, wo ich das komisch fand.
Ich hab das Landesmuseum Dithmarschen in Meldorf besucht und kann es sehr empfehlen! Es behandelt vorrangig die Bauernrepublik Dithmarschen, welche rund 300 Jahre existierte, bis die Region 1559 schließlich vom dänischen König doch erobert wurde.
Republik ist aber etwas hochgegriffen als Bezeichnung, denn es ist eher vergleichbar mit der Demokratie im antiken Athen, denn nur die reichsten Bauern der Region hatten was zu sagen in der Versammlung. Aber es war trotzdem ein Gebiet, welches längere Zeit nicht unter fürstlicher Kontrolle war, sondern unter "Selbstverwaltung", was in deutschen Regionen ziemlich einzigartig war.
In Realität war es eine Region die oft auch Gewalt erlebte, da sich manche Familienklans übergangen oder benachteiligt fühlten und dann per Gewalt sich ihr "Recht" holten, mangels vernünftiger höherer Staatsgewalt, die regelnd eingreifen könnte.
All das wird im Museum sehr gut heraus gearbeitet und der Freiheitsbegriff auch debattiert. Die unrühmliche Zeit vor dem ersten 2.WK wird ebenso nicht vertuscht. Dithmarschen hat 1933 mit 60+ % die NSDAP gewählt, wie es dazu kam und das Schicksal einiger der Opfer wird erzählt. Zum Abschluss gibt es dann noch Räume mit Ausstattung der letzten 140 Jahre, z.B einen alten Kinosaal, einen Friseur und einen Zahnarzt mit Ausstattung aus den 1930ern.
Und wenn man es schon bis Meldorf geschafft hat, kann man auch noch beim etwas nördlich gelegenen Dusenddüwelswarf vorbei schauen, da ist ein kleines Denkmal zur letzten Schlacht, die die Bauernrepublik noch gewonnen hatte, mit einem Diorama dazu. Und wer sich jetzt fragt, was dieser komische Name sein soll: ::: spoiler Auflösung Tausendteufelshügel :::
Und die Nordsee und die Landschaft allgemein ist natürlich auch immer wieder schön und einen Blick wert.
Das war historisch und im deutschen Mittelalter aber absolut nichts ungewöhnliches. Insbesondere in den deutschsprachigen Gebieten im Mittelalter konnte man vor einem Gericht zwar Recht bekommen, musste es in der Regel aber selber einfordern/durchsetzen, was für gewöhnlich mit Waffengewalt erreicht wurde.
Pünktlich zum Herbstanfang ziehen die Kraniche. Wenn ihr lautes Gequäke von oben hört, sind das jetzt meist diese schönen (und lauten) Vögel.
https://www.nabu.de/tiere-und-pflanzen/voegel/artenschutz/kranich/kranichzug-aktuell.html
Hier findet ihr Orte, wo man Kraniche im Norden beobachten kann:
https://www.ndr.de/ratgeber/reise/kraniche-wo-man-die-voegel-im-norden-beobachten-kann,kraniche238.html
Dort kann man auch tagsüber schöne Spaziergänge machen. Die Kraniche fliegen abends zu den Rastplätzen ein. Ein Fernglas ist auch zu empfehlen.