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Trockenheit und Dürre: Getreideernte in Deutschland leidet stark

Dürre trifft deutsche Getreidebauern stark

Die Hitze im Sommer hat zu großen Verlusten auf deutschen Getreidefeldern geführt. Der Raiffeisenverband rechnet mit einer unterdurchschnittlichen, aber zumindest noch ausreichenden Ernte.

Die Getreideernte in diesem Sommer leidet stark unter der langen Trockenheit in weiten Teilen Deutschlands, so eine Brancheneinschätzung. Rund drei Millionen Tonnen Getreide und Raps seien deshalb seit Mitte Juni, dem Beginn der Dürreperiode, verlorengegangen, teilte der Deutsche Raiffeisenverband als Vertretung von 1.600 Genossenschaftsunternehmen im Agrarhandel und in der Verarbeitung mit.

Das bedeutet Einnahmeverluste von 600 Millionen Euro. Der Verband rechnet nach einer Schätzung jetzt mit einer Getreideernte von 40,6 Millionen Tonnen. Das würde einen Rückgang von rund zehn Prozent gegenüber dem Vorjahr bedeuten, als der Bauernverband die Ernte mit 45 Millionen Tonnen als "zufriedenstellend" bezeichnete.

Unter dem Strich komme auch in diesem Jahr noch eine ausreichende, wenn auch unterdurchschnittliche Ernte zusammen, so der Getreidemarktexperte Guido Seedler vom Raiffeisenverband. "Nur die günstige Witterung im Frühjahr hat größere Schäden verhindert", sagt er.

Die Verluste so kurz vor der Ernte seien für die ohnehin unter starken Kostensteigerungen leidende Landwirtschaft allerdings ein harter Schlag, sagt Seedler. Der aktuelle Weizenpreis liegt bei rund 220 Euro pro Tonne, leicht über dem Vorjahreswert.

Mit höheren Preisen für Brot und Brötchen müssen Verbraucherinnen und Verbraucher angesichts der schlechten Ernte nicht rechnen, sagt Seedler. "Der Anteil des Getreides am Endpreis von Backwaren liegt im niedrigen Cent-Bereich." Für die Preise entscheidend seien vor allem Energie-, Lohn- und Bürokratiekosten.

Zum Problem für die Branche könnte allerdings das Niedrigwasser führen, das viele Flüsse in Deutschland gerade nur eingeschränkt schiffbar macht: In der Binnenschifffahrt wird auch Getreide transportiert. Dass die Logistik funktioniere, sei ein entscheidender Faktor, erklärte der Raiffeisenverband.

Bei der Lagerung des Getreides nach der Ernte dürfte es keine akuten Probleme geben, so der Verband, die Lagerkapazitäten seien ausreichend. Der Weitertransport, die Versorgung mit Futtermitteln und auch die Lieferung von Düngemitteln könnte jedoch betroffen sein.

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2 replies

Auf der anderen Seite gibt es aber dieses Jahr enorm hohe Qualitäten beim Baclgetreide.

Quelle: Habe vor ca. 3 Wochen mich mal mit einem Müller darüber unterhalten.

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Tja...

Eine Gefahr für die offene Gesellschaft – und das Klima Die Bauernproteste stehen beispielhaft für eine neue Kompromissunfähigkeit, die unser Zusammenleben gefährdet, findet unser Gastautor. Ein Gastbeitrag von Felix Ekardt Aktualisiert am 14. Januar 2024, 17:10 Uhr

Die Bauernproteste sind ein weiteres Beispiel für die Kompromisslosigkeit, mit der auf die nötigen Anpassungen in der Transformation zu einer klimaneutralen Wirtschaft reagiert wird. Langfristig ist das nicht nur zerstörerisch für das Klima, sondern auch für die offene Gesellschaft, schreibt Felix Ekardt. Er forscht als Leiter der Leipziger Forschungsstelle Nachhaltigkeit und Klimapolitik sowie als Professor an der Uni Rostock nach Politikkonzepten für mehr Nachhaltigkeit. Er sucht anlässlich seiner oft sehr kontroversen Positionen die Diskussion mit den Leserinnen und Lesern von ZEIT ONLINE. Auch diesmal antwortet er direkt unter dem Artikel auf Leserkommentare. Diskutieren Sie mit! Wissenschaftlich und politisch ist weithin Konsens: Moderne Gesellschaften müssen zeitnah die Transformation schaffen und von fossilen Brennstoffen wegkommen. Kohle, Gas und Öl sind der Haupttreiber von Klimawandel, Artensterben, gestörten Nährstoffkreisläufen und Schadstoffbelastungen. Und fossile Brennstoffe spielen auch eine wichtige Rolle bei Kriegen. Felix Ekardt ist Leiter der Forschungsstelle Nachhaltigkeit und Klimapolitik in Leipzig sowie Professor an der Uni Rostock. Ekardt initiierte seit 2010 die 2021 erfolgreiche Klimaklage vor dem Bundesverfassungsgericht und arbeitet gerade an einem Taschenbuch zum Thema dieses Beitrags. Wenn es aber konkret wird, wollen Politik, Unternehmen und Bürger dann doch nicht so gern das gewohnte fossile Wirtschaften und Leben hinter sich lassen. Verhaltenswissenschaftlich überrascht das nicht, werden doch Faktenwissen und Werte als Verhaltensantriebe oft verdrängt von Eigennutz, Bequemlichkeit, Gewohnheit oder der Neigung, lieber andere zum Sündenbock zu machen. Folgerichtig hat jetzt auch Deutschland seine Gelbwesten-Bewegung in Gestalt der Bauern- und Handwerkerproteste. Die Protestierenden fordern letztlich, die einhellig als notwendig erkannte Schritte hin zu einer nachhaltigeren Wirtschaft zu verlangsamen, auch wenn die Schäden für künftige Generationen dadurch nur noch größer werden. Es ist bemerkenswert, wie schnell Teile der Bundesregierung die eigenen Pläne zur Streichung eines kleinen Teils der Subventionen für die Landwirtschaft selbst wieder zur Diskussion stellen. Dabei sind Kürzungen der Agrarsubventionen sowie eine Anhebung des CO₂-Preises entgegen den Äußerungen der Bauern- und Handwerkerverbände weder unsozial noch unwirtschaftlich. Eine Fortführung des fossil basierten Wirtschaftens verursacht bei Weitem höhere Kosten und trifft gerade Ärmere viel stärker, als es die ambitionierteste Klimapolitik je bewirken könnte. Das flächendeckende Subventionieren der bisherigen fossilen Produktionsweise wirkt daher wie aus der Zeit gefallen. Öffentliche Gelder sollten künftig allein für öffentliche Leistungen gezahlt werden, etwa wenn Landwirte Naturschutzmaßnahmen oder einen besseren Tierschutz verwirklichen. Ökonomisch unter Druck sind auch nicht alle Landwirte, wie die Protestierenden suggerieren – die großen Agrarfabriken besonders in der Intensivtierhaltung gehören jedenfalls nicht dazu. Es geht eher um die Kleinbauern. Natürlich müssen diese auskömmlich wirtschaften können. Der Weg dahin führt jedoch nicht auf Dauer über Subventionen, mit denen wir die Schädigung anderer Menschen durch Verschärfung der Klima- und Biodiversitätskrise noch mit Steuergeldern entlohnen. Sondern vielmehr über angemessene Lebensmittelpreise. Diese können die meisten Verbraucher durchaus auffangen, vorausgesetzt, es werden nicht mehr so viele Lebensmittel weggeworfen und die Menschen essen weniger Tierisches und mehr saisonale und regionale Produkte. Wenn hohe staatliche Subventionen die Preise für fossile Brennstoffe senken sollen, geht das in die falsche Richtung. Ein höherer CO₂-Preis beschleunigt den Ausbau von erneuerbaren Energien, Energieeffizienz und Energiesparen. Damit stehen alle wirtschaftlich auf Dauer besser da als mit den absehbaren Preisspiralen der fossilen Brennstoffe. Auch Versorgungssicherheit wird erst geschaffen, wenn die Verschwendungskultur aufhört. Besonders inkonsistent ist es, wenn in den letzten Tagen Bauernproteste, sogar nachdem deren Forderungen bereits weitgehend nachgegeben wurde, öffentlich gefeiert und zugleich Klimaproteste von vielen verdammt werden. Während es den Bauern zumindest zu einem wesentlichen Teil um ihre Einkommensinteressen geht, setzen sich Klimaaktivisten für ein altruistisches Anliegen ein: für einen besseren Klimaschutz, wie er von den Grundrechten nach Auffassung des Bundesverfassungsgerichts sowie vom Pariser 1,5-Grad-Ziel gerade gefordert wird. Generell kann ziviler Ungehorsam in Demokratien immer nur begrenzt einen Platz beanspruchen. Wenn, dann aber bitte dort, wo es um altruistische Ziele geht. Aus Meinungsverschiedenheiten werden Kulturkämpfe Proteste gegen die postfossile Transformation sind nicht überraschend. Neu ist jedoch die Kompromisslosigkeit, mit der hier und auch sonst immer öfter gesellschaftliche Konflikte ausgetragen werden. Wettbewerb und konkurrierende Angebote sind im Prinzip zwar in Politik und Wirtschaft gleichermaßen produktiv. Das Ganze funktioniert aber nur, wenn ein gemeinsamer Rahmen wie die Spielregeln der repräsentativ-gewaltenteiligen Demokratie und ihrer Mehrheitsentscheidungen akzeptiert werden. Dagegen gefährdet es die Demokratie in Europa – die durch den russischen Angriffskrieg oder auch das Erstarken von Populisten ohnehin existenziell bedroht ist –, wenn politische Meinungsverschiedenheiten zunehmend nicht mehr durch Diskussionen, Kompromisse und Mehrheitsentscheidungen befriedet werden können, sondern in Kulturkämpfe übergehen. Und schlimmstenfalls irgendwann in Gewalt enden. 80 Jahre nach dem Ende des Zweiten Weltkriegs scheint innergesellschaftlich und zunehmend auch zwischen den Staaten die Kompromissfähigkeit zu schwinden. Ein Gefühl von "Jetzt bin ich mal dran" scheint mehr und mehr Menschen, politische Strömungen und auch Regierungen zu erfassen. Das passt fatal gut zu einer Welt, in der die Echokammern der sozialen Medien es uns zunehmend ermöglichen, nur noch die eigene Sicht der Dinge wahrzunehmen. Menschheitsgeschichtlich sind Demokratie und friedliches Zusammenleben eher die Ausnahme als die Regel. Die große Gefahr ist, dass dies so bleibt.

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